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Warum es nicht immer North Face, Mammut, Patagonia, etc. bei der Bekleidung sein muss

Früher oder später kommt der Zeitpunkt: Neue Kleidung für den Winter-Sport muss her. In den letzten Jahren hat gerade der Outdoor-Trend die Popularität von Marken wie Jack Wolfskin, Mammut, North Face und vielen weiteren rasant ansteigen lassen: Aus der Nische ist ein großer Massenmarkt geworden. Im Zuge dieser Entwicklung positionieren sich die Hersteller als Anbieter hochpreisiger, funktionaler Hightech-Kleidung die man benötigt, um den Extremen der Natur zu begegnen. Doch gibt es Alternativen, die nahe liegender sind als gedacht - Ein Bericht über einen erfolgreichen Selbsttest.

Obwohl diese Hersteller sehr gute Artikel produzieren (abgesehen davon, dass die Behandlung der Kleidung auch mit Risiken verbunden ist - siehe Greenpeace Link am Ende) und es für nahezu jede Witterungsbedingung eine ideale Produktreihe gibt, so ist doch ein Merkmal bemerkenswert, welches sich die Produkte für die extremen Outdoor-Anforderungen und der Massenmarkt teilen: Der vergleichsweise hohe Preis. Somit lässt sich das Image der Nischenmarke sehr einfach auf weniger robuste, “normale” Kleidung übertragen. Die Nutzung durch den Otto-Normalverbraucher ist verglichen zum ursprünglichen Einsatzzweck in vielen Fällen wesentlich geringer, dennoch lässt sich durch das “Outdoor-Gefühl” der Marke ein höherer Preis bzw. höhere Marge erzielen.

Was muss die Kleidung können?

Um in Kombination mit anderen Kleidungsstücken ideal zu funktionieren, empfiehlt sich das sogenannte Zwiebelschalenprinzip: Damit ist gemeint, dass atmungsaktive Stoffe nur dann den Zweck erfüllen können (Schweiz abzuleiten und Wärme zu behalten), wenn die Bekleidung in Schichten getragen wird. Damit sollen sich die Lagen, abgestuft nach Körpernähe ideal ergänzen und es nicht bspw. zu einer “Dampfsperre” kommen darf. Wikipedia definiert folgende “Layer”:

  • Basisschicht zum primären Schweiß Abtransport - sollte hauteng anliegen
  • Isolationsschicht zur Konservierung der Wärme - eine oder mehrere Schichten
  • Witterungsschicht zum Schutz gegen Wind und Wasser - inklusive geschlossener Nähte

Zwiebelprinzip (Wikipedia)

Ich konzentriere mich vor allem auf die Isolations- und Witterungsschicht, da ich hier die größten Unterschiede festgestellt habe und auch der Handel einen großen Fokus darauf legt. Oft wird eine Kombination angeboten, die in Form von Softshell Jacken sowohl Aufgaben der Isolations- als auch Witterungsschicht übernehmen müssen. Unabhängig von der Temperatur sind mir persönlich für den Powder-Alltag folgende Eigenschaften wichtig:

  • Gute Atmungsaktivität bei gleichzeitiger Wärmespeicherung
  • Geringes Gewicht
  • Winddicht
  • Wasserabweisend

Erst kürzlich ist mir aufgefallen, dass diese Eigenschaften nicht nur für den Wintersport essentiell sind, sondern auch für eine andere Aktivität, die bei bei Wind und Wetter stattfinden muss:

Die Arbeit im Freien, sei es im Garten oder auf der Baustelle!

Betrachtet man die Entwicklung von Kleidung aus dieser "Arbeits-Perspektive" so kommen noch weitere Eigenschaften hinzu, die sich wiederum als genauso nützlich und praktikabel für den Wintersport auszeichnen:

  • Hohe Bewegungsfreiheit
  • Robustheit
  • Langlebigkeit
  • Angemessener Preis

Vor einigen Jahren bin ich durch Zufall auf eine Firma gestoßen, die es geschafft hat alle diese Merkmale auch noch mit ansprechendem Design zu kombinieren: Engelbert Strauss.

E.S. Motion für die Piste

ES Motion JackeVor ca. 6 Jahren habe ich mir meine erste “Arbeitsjacke” aus E.S. Motion Reihe gekauft. Der tolle Tragekomfort kombiniert mit der hohen Bewegungsfreiheit verleiteten mich dazu, diese auch mal zum Snowboarden anzuziehen. Wie sich sich herausgestellt hat, ist sie dafür perfekt geeignet und verzeihte mir so einige Stürze und rabiaten Umgang über viele Jahre hinweg. Ich war so begeistert, dass ich mir dasselbe Modell nochmal kaufte (in einer anderen Farbe), denn der Preis war geradezu lächerlich niedrig: 75 EUR (!) 

Trotz der vielen Vorteile musste ich einen Nachteil feststellen, der sich durch den Mittelweg zwischen Isolations- und Witterungsschicht ergab: Die Jacke neigt dazu etwas auszukühlen, wenn man sich längere Zeit nicht bewegt, was Sie zwar weniger gut für lange Abende auf dem Weihnachtsmarkt macht, dafür aber umso besser für die sportliche Betätigung im Schnee.

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Aufgrund der positiven Erfahrung war ich überaus erfreut, als Engelbert Strauss auch spezielle Winter-Outdoorjacken als auch Ski-Jacken ins Angebot aufgenommen haben. Diese sind preislich deutlich höher angesiedelt und spielen für mich mehr in der Liga der “hippen” Outdoor-Bekleidung als in der echter Funktionsbekleidung. Trotz des guten Designs und der Atmungsaktivität, die die Jacken bieten, können Sie gerade die Robustheit und Langlebigkeit der Arbeitsjacken nicht mehr erreichen. Bei der Winterjacke musste ich nach wenigen Monaten Einsatz feststellen, dass die Nähte an den Klettverschlüssen bereits den Geist aufgaben - Schade!

Trotzdem hat mir die grundlegend positive Erfahrung mit Engelbert Strauss bewusst gemacht, dass es nicht immer die teure Outdoor-Bekleidung der Extremen, aber auch nicht die trendigste Mode sein muss. Denn durch die Kleidung wird man weder zum Outdoor-Spezialisten, noch zum trendigen Hipster. Der Mittelweg zu einem angemessenen Preis reicht in den meisten Fällen vollkommen aus.


Engelbert Strauss  / E.S. Motion Jacke  / Greenpeace - Outdoor-Report 2016 - Chemie für Gipfelstürmer  / Greenpeace - Gefährliche Substanzen der Textilindustrie / Detox Outdoor - Ist deine Marke ein Vorbild oder Vermutzer?